Der mächtige, weithin sichtbare Dachreiter über der Vierung der Klosterkirche ist heute das Wahrzeichen von Bebenhausen. Für ein Zisterzienserkloster war seine Errichtung ein gewagtes Unternehmen, verstieß er doch gegen die Ordensregel, die allenfalls ein schlichtes Türmchen zuließ. Der Bebenhäuser Dachreiter mit seiner ziselierten gotischen Architektur ist von der Funktion her ein wirklicher Glockenturm. Im Innenraum zeigt eine Wandmalerei am Chorbogen, wie Abt Peter von Gomaringen der Ordenspatronin Maria den neuen Dachreiter gleichsam als Geschenk darbringt.
Bis heute beheimatet der Dachreiter ein Geläut von vier Glocken. Drei von ihnen sind historisch und stammen aus dem 14./15. Jahrhundert, die jüngste wurde 1955 ergänzt. Sie wurde nicht zuletzt durch einen Spendenbeitrag der Abgeordneten des Landtags von Württemberg-Hohenzollern mitfinanziert, dessen Sitz Bebenhausen von 1947 bis 1952 war. Die Vorgängerglocke war im Zweiten Weltkrieg abgehängt und eingeschmolzen worden.
Einmalig für Baden-Württemberg: Die Glocken werden an Seilen, die mitten ins Kirchenschiff herabhängen, von Hand geläutet. Den Läutedienst übernehmen Kinder, Jugendliche und Erwachsene aus der Gemeinde.
Das wohlklingende Geläut ergibt einen h-moll-Akkord, bestehend aus den Tönen:
fis
die größte Glocke aus der 1. Hälfte des 14. Jahrhunderts
a
Vaterunserglocke von 1955
h
ehemalige 11-Uhr Glocke aus dem 15. Jahrhundert
d
kleinste Glocke aus dem 14. Jahrhundert